Breslau 2018 – nicht vegane Erfahrung mit Schuy

Im März fuhren wir über Ostern mit dem Busreiseunternehmen Schuy nach Breslau.

Treffpunkt war in Eltz und Abfahrt um 4.00 Uhr. Für die Wartezeit stand dort ein Wartehäuschen mit Toiletten und Bezahlkaffeeautomat zur Verfügung. Wir fuhren mit einem doppelstöckigen Bistrobus. An Bord gab es einen Steward, der Getränkebestellungen entgegen nahm und servierte. Frühstück wurde im ersten Stock gereicht. Das Essensangebot auf der Karte war reichhaltig, jedoch nichts mit „Vegan-Kennzeichnung“. Da ich dies bei der Buchung angegeben hatte, wäre ein kleines Angebot in dieser Richtung fortschrittlich und sehr aufmerksam gewesen. Der Reiseslogan lautet ja „Reisen für Anspruchsvolle“. Wie sich später herausstellen sollte, betraf dies nicht die Kulinarik und den Service. Der Bus selbst verfügte über recht bequeme Sitze. Da gab es nichts zu meckern.

Auf unserer fast 600 km langen Fahrt hielten wir an 3 Raststätten an. Die zweite Raststätte war bei Dresden und dort gab es einen Coffee Fellows mit veganem Bagel. Die anderen beiden waren nicht geeignet für Veganer.

Unsere Unterkunft, das 4-Sterne „Novotel Centrum“ erreichten wir gegen 16.00 Uhr. Wir hatten ein Zimmer im 9. Stockwerk. Das gab ein zusätzliches Beintraining im Treppenhaus.

Der obere Teil des Treppenhauses könnte eine kleine Renovierung gebrauchen:

Nach der stundenlangen Sitzerei suchten wir den Fitnessbereich des Hotels auf. Dieser verfügte über einen Kabelzug, Kurzhanteln, eine Flachbank, 2 Laufbänder, 1 Ergometer, 1 Crosstrainer, 3 Pezi-Bälle, 1 Sprossenwand, 1 Matte, 1 Wasserspender, Handtücher, Ruheraum mit 3 Liegen, 1 Sauna für ca. 10 Personen, 1 TV, getrennte Duschräume und Spinde, Klimaanlage sowie eine große Spiegelfront.

Zum Glück war ich trotz Sport nicht allzu hungrig, da ich unterwegs viel Mitgebrachtes gegessen hatte. Lt. Fahrer würde die Küche bescheid wissen, dass ich Veganer sei. Es wurde ein Buffet aufgetischt und ich fragte, was davon ich essen könne. Der Fahrer meinte dann Kartoffeln und Gemüse. Mit Beilagen wollte ich mich nicht abspeisen lassen, da ich wie alle anderen ja auch für ein anständiges Essen gezahlt hatte. Er fragte mich sogar, ob ich Fisch essen würde. Mit der Materie hat er sich überhaupt nicht auseinandergesetzt. Sehr peinlich. Ich hatte Glück, dass ich mit einer polnischstämmigen Bekannten angereist war. Diese setzte sich für mich beim Küchenpersonal ein. Die Kartoffeln waren übrigens nicht mal vegan, da in Butter geschwenkt. Ob dieses Busunternehmen mit Allergikern auch so umgeht? Da können sie sich bei Erdnussallergikern aber warm anziehen. Ich hatte auf dem Bar-Menü vegane Speisen gesehen und sie bestellte das Garam-Masala-Gericht für mich. Die Portion war sehr klein, geschmacklich ok, aber recht fade gewürzt und hatte mit indisch nicht viel zu tun. Andere Länder, andere Würztechniken.

Am nächsten Tag wurde es beim Frühstück auch nicht einfacher. Das Personal verstand kein Englisch, also musste die Restaurantleiterin her. Ich weiss allerdings nicht, was so schwer daran zu verstehen ist, wenn ich mit ner leeren Flasche Mandel-Drink winke. Was will ich dann wohl haben? Es war auch nicht besonders leicht, mir eine große Schüssel für mein Müsli zu organisieren. Was will ich mit ner kleinen Dessertschale? Ich bin ja kein Vogel. Ich bekam dann eine Salatschüssel gebracht. Für das Müsli gab es an veganen Dingen: Chia, Haselnüsse, Sonnenblumen- und Kürbiskerne, Leinsamen, Sesam, Cornflakes, Vollkornflakes, getrocknete Aprikosen und Obstsalat. Es stand eine Saftpresse mit Möhren, Rote Bete, Birnen und Gurken bereit. Zudem Wasser, 2 Säfte (ob vegan weiss ich nicht), Gurken, Tomaten, Radieschen, div. Marmeladen und veganes Brot (nicht gekennzeichnet / lt. Personal vegan). Das Brot war extrem lecker.

Um 9.40 Uhr starteten wir unsere geführte Busrundreise durch Breslau. Unser ortsansässiger deutschsprachiger Guide Norbert informierte uns über die Geschichte und interessante Fakten rund um Breslau und Polen. Das waren u.a.:

  • ab einem Alter von 70 Jahren fährt man hier kostenlos mit der S-Bahn
  • die Arbeitslosenquote liegt bei nur 2 % – viele Polen würden nach Deutschland und England gehen, um dort zu arbeiten. Daher würden Arbeitskräfte von der Ukraine nach Polen kommen.
  • es gibt unzählige Einkaufscenter
  • die „offizielle“ Einwohnerzahl – es gibt keine Meldepflicht – liegt bei 600.000
  • die Stadt wurde im Krieg zu 68 % zerstört
  • sie besteht aus 48 Stadtteilen, 12 Inseln, 23 Bahnhöfen, 130 Brücken (alte Kaiserbrücke – Wahrzeichen), 6 Tierparks
  • auf 1.000 Einwohner kommen 630 Autos, da diese hier ein Statussymbol wären. Zitat „Sie fressen den Kitt von den Fenstern, aber Hauptsache ein dicker Wagen vor der Tür.“
  • Das Wahrzeichen von Brelau sind 450 Zwerge. Die „Alternative in Orange“ war in den 80ern eine Studentenbewegung, welche die Gewerkschaft Solidarność unterstützt hat. Sie haben in Zwergenkostümen protestiert – Zwergenaufstand. Seit 2001 sind überall in der Stadt gesponserte Zwerge im Wert von 500 – 2.000 € verteilt, als Zeichen des Widerstandes.
  • Es gibt hier immer wieder viele Überschwemmungen. 1997 war es mit über 60 Toten und einer Wasserhöhe bis 2,50 m besonders schlimm.
  • Scheidninger Park ist der größte Park
  • es gibt um die 120.000 Studenten und keine Studiengebühr
  • Ferdinand Sauerbruch startete seine Karriere hier
  • 86 % sind Eigentumswohnungen und nur 9 % Miete – 1 m² kostet 4-8 € bei Miete und 1.700 € bei Eigentum – im Skye Tower 13.000 €
  • der Skye Tower ist das 2. höchste Gebäude in Polen – nach dem Kulturpalast in Warschau
  • Breslau ist die 2. reichste Stadt in Polen
  • die größte Kriminalitätsrate ist im „Elbing-Viertel“
  • es gibt keine Kirchensteuer

An der Jahrhunderthalle machten wir kurz Stop. Zum Zeitpunkt der Eintragung 1913 gab es hier die größte Orgel und freitragende Kuppel der Welt – auch Dom der Demokratie genannt.

Nach der Rundfahrt hatten wir freie Zeit zur Verfügung und bummelten durch die Stadt.

Unsere Geld wechselten wir bei Kantor „Wymiany Walut“ am Domplatz. Unser Guide hatte uns diesen empfohlen. Für 100 € erhielt ich 418 Zloty. Ein Zloty sind also ca. 25 Cent.

Aufgrund der Feiertage waren sämtliche Veganer / Vegetarische Restaurants geschlossen.

Wir kehrten zum Mittagessen bei „Moaburger“ – nähe Domplatz ein. Hier fand ich einen veganen Falafel Burger auf der Karte. Für 2 Burger, 2 große Pommes und 2 Wasser zahlten wir nur 66 Zloty. Die Burger waren sehr groß und lecker – Wartezeit bis zum servieren ca. 6-7 Min.

Beim „Spitz“ am Domplatz gab es Aussenplätze mit Bierausschank. Wir testeten das Bier mit Himbeersaft, Kirschbier, Karamellbier und Honigbier. Sehr lecker und zusammen nur knapp 40 Zloty. Dazu werden jedes Mal Toastscheiben mit Schmalz serviert.

Im Cafe „Amorinho“ – 2016 preisgekrönt – hatte Chris einen Cider mit Birnenstücken und ich einen Tee mit Himbeeren – schon sehr süß – aber lecker. Zusammen 27 Zloty. Die Kuchentheke sah extrem einladend aus, aber zum Glück nix veganes.

Unterwegs sahen wir einen veganen Shop „Owoce Warzywa“.

Auf dem Domplatz verdiente sich ein Seifenblasenmacher ein paar Zloty dazu. Sah schon toll aus.

Im Reisepreis inkludiert gab es ein Abendessen in Europas ältesten Restaurant, das „Lworska“, wo wir uns um 18.45 Uhr mit der Gruppe trafen. Keine Ahnung, wie sie es geschafft haben so lange zu überleben. Die schlechten Kritiken im Internet sind zum großen Teil gerechtfertigt. Der Koch bekommt mit Sicherheit keinen Preis in Kreativität. Es gab ein 3-Gang-Menü. Die Omnis bekamen als Vorspeise eine Kartoffelsuppe mit Würstchen, Hauptgang 2 große Scheiben Schweinebraten mit Pflaumenfüllung und dazu gebratene Kartoffeln mit Speck mit einem großen Beilagensalat und als Nachspeise ein Stück Apfelkuchen. Geschmacklich laut Chris Durchschnitt. Chris war der Einzige, welcher die Teller leer gegessen hatte. Unsere Mitreisenden haben jeweils Essen zurückgehen lassen – teils mit der Beschwerde es sei einfach zu viel gewesen, nachdem man sich vorher über allerlei „Schmeckt aber nicht wie zuhause“ untereinander beklagt hatte. Für mich gab es als Vorspeise eine Borscht-Essenz (Brühe mit Farbe), als Hauptgang ein langweiliger Durchschnittssalat (Chris‘ Beilagensalat war größer als mein Hauptgericht) mit nichts sättigendem dabei und als Dessert ein durchgezuckerter Obstsalat. Unglaublich. Absolut nicht empfehlenswert.

Am Ostersonntag wartete ein Schoko-Osterhase, als nette Aufmerksamkeit des Hauses, vor unserer Tür.

Am Frühstücksbuffet gab es osterlich dekorierten Kuchen, natürlich nicht vegan. Meine Müslischale bekam ich problemlos, da es dieses mal per Blickkontakt funktionierte. Die Verständigung mit dem Personal im Hotel war zwar nicht einfach, aber sie machten ansonsten einen recht freundlichen Eindruck.

Ein großer Teil der Reisegruppe machte heute die geführte Bustour (für 25 € Aufschlag) ins Riesengebirge mit. Da der Ausflug in den Japanischen Garten am Vortag ausfiel (geschlossen wegen Ostern – sicher ganz spontan…) wurde ihnen ein Ausflug zu einem Schloß und ein Getränk als Ausgleich versprochen. Und wir, die diese Tour nicht gebucht hatten, gingen leer aus – obwohl wir auch für den Garten bezahlt hatten.

Chris und ich spazierten bei eisigem Wind in die Stadt. Es war wenig los in den Straßen und die meisten Betriebe hatten geschlossen.

Zum Mittagessen kehrten wir bei dem indischen Restaurant „Masala“ ein. Vegane Gerichte sind hier deutlich mit einem „V“ gekennzeichnet. Wir orderten ein Buchweizen-Gericht, Pommes, Gingerbread Tea und Apfel-Gurken-Saft für mich und für Chris Spinatbällchen mit Frischkäse, Linsendal , Blaubeer-Apfel-Limetten-Tee und Knoblauch-Naan. Dazu jeweils extra Reis (nicht im Gerichtpreis inkludiert). Das vegane Naan war leider aus. Für hiesige Verhältnisse recht teuer, aber nette Einrichtung, Kellner sprach deutsch und das Essen war gut. Alles zusammen 166 Zloty.

Nachtisch gönnten wir uns im „Bohema Cafe“. Chris hatte einen „Mocca Hot Coffee“ und ein Stück Schoko-Erdnuss-Baiser-Torte und ich einen „Pina-Colada-Tee“ und veganes Eis mit heißen Kirschen. Die Kirschen waren schon schwer süß, würde ich nicht nochmal mit dem Eis essen. Alles zusammen für 27 Zloty.

Zum Abendessen fanden wir uns wieder im Hotel-Restaurant ein. Dieses mal wurde ich richtig unfreundlich und arrogant von unserem Busfahrer abgefertigt, als ich danach fragte, was ich denn zu essen bekomme – das Buffet sah dem Buffet vom Anreisetag verblüffend ähnlich: Da solle ich doch einfach selbst schauen.

Auf der Homepage wirbt Schuy mit:

„Erleben Sie den höchsten Reisecomfort…. das perfekte Reiseerlebnis für jeden einzelnen Gast perfekt verwöhnt und betreut zu sein – an Bord und vor Ort –…. Auch in die Schulung aller Mitarbeiter wurde viel investiert und regelmäßig weiter geschult und motiviert, um Ihnen die schönsten Tage des Jahres garantieren zu dürfen.“

Das Reiseerlebnis war nicht annähernd perfekt, ich habe mich nicht betreut gefühlt und verwöhnt wurde ich ganz sicher nicht. Wären das die schönsten Tage des Jahres, würde ich mir in Zukunft 2 x überlegen, ob ich noch Urlaub machen möchte.

Bei meiner Buchung hatte ich angegeben dass ich Veganer bin, mich nicht mit Beilagen zufrieden gebe.

Wenn ein Unternehmen das schon als zu großen Anspruch ansieht, sollte es keine falschen Werbeversprechen machen.

Der Besuch in Breslau selbst war recht interessant und eine Reise wert, aber mit Schuy werde ich keine Reise mehr mit Verpflegung buchen. Normalerweise organisieren wir Kurzreisen unter 10 Tagen immer selbst. Dieses Mal wollten wir, aufgrund der sprachlichen Schwierigkeiten (hatten wir auf unserer Warschau-Reise so erlebt…) in Polen gerne eine geführte Reise und entsprechende Organisation durch den Veranstalter. Dass die Reisegruppe nicht ganz unser Alter haben würde, war uns im Vorfeld klar und wir haben auch entsprechende Erfahrung, dass die meisten Busreisenden andere Interessen und Beschwerden haben als wir es gewohnt sind. Auf unseren bisherigen Busreisen mit der Firma Badura (deren Inhaber leider inzwischen seine Rente genießt – aber es sei ihm sehr gegönnt) wurde mit den Fahrgästen ganz normal gesprochen. Der Tonfall auf dieser Fahrt ging eher in Richtung einer überzeichneten Rentner-Heizdecken-Butterfahrt. Wenn man mit mir später mal so spricht, bin ich mir sicher, dass ich ins Heim gehöre. Seltsam, dass von den Mitreisenden anscheinend keiner bemerkt hat, wie mit ihnen gesprochen wurde. Oder man hat es „runtergeschluckt“…

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